First love #Sven

Und hier sitze ich, wieder mit den Gedanken bei dir. Denke daran wie gut es dir in dem kleinen Café gefallen würde. Wie sehr ich dich immer wieder vermisse. Ich hänge Erinnerungen nach und werde dabei leicht wehmütig. Nicht unangenehm, nur etwas nachdenklich, währenddessen beobachte ich das Paar am Nebentisch. Waren wir auch so ein Paar? Ein Paar, das von anderen heimlich beobachtet wird, während sie sich anschweigen. Sich nichts mehr zu sagen haben und inmitten von einer Wolke aus Unbehagen sitzen. Vielleicht fragten sich andere, was wir verpassen, indem wir beieinander sind. Zumindest gehen meine Gedanken in die Richtung, wenn ich zu den beiden hinüberschaue. Sie redet und er schaut aus dem Fenster. Dann lang nichts. Gefühlt vergeht eine kleine Ewigkeit. Beide haben leer getrunken. Er seinen Cappuccino, sie ihren Chai Latte. Mit ein paar knappen Worten einigen sie sich jetzt zu gehen. Dann stehen beide auf und steigen die Treppe nach unten ins Erdgeschoss. Während er schon voraus geht, mit der Hand am Treppengeländer, nimmt sie einen der Hochzeitsflyer in die Hand, die neben der Treppe ausliegen und blättert noch im Laufen darin. Er dreht sich nicht zu ihr um. Sie spricht ihn nicht an. Schweigen kann auch so friedlich und harmonisch sein. Aber dazu fühlt es sich hier zu frostig an.

Ist das wirklich alles, das du willst? – Das würde ich ihr gern hinterher rufen. Ihm eigentlich auch.

Ist das eine normale Beziehung? Wenn ich mir die zwei Jahre mit dir anschaue, kommt es mir vor wie eine Achterbahn. An einem Tag war ich deine Traumfrau, keine zwölf Stunden später dein größter Albtraum. Es gab Momente in denen die Stimmung geradezu eisig war oder hitzig und erregt vor Wut. Aber aneinander vorbei? Wir waren nie gleichmütig oder blind für den anderen. Aber ob das jetzt ein Vorteil ist oder von Nachteil war, weiß ich nicht, wenn ich uns mit dem Pärchen aus dem Café vergleiche.

Jetzt nachdem es „uns“ schon eine ganze Weile nicht mehr gibt, kann ich an dich denken, ohne dass das Was-wäre-wenn-Karussell anspringt. Wir haben alles durch. Haben uns von Liebe bis Hass alles geschworen. Gestritten wie manche das über Jahre nie machen werden. Und sind uns näher gekommen als sonst irgendwem. Das hinterlässt Spuren. Du bist ein Teil meiner kleinen Welt geworden und Teil meines Herzens. Wie meine Familie, meine Kindheit, etwas, mit dem man groß wird und das man sich nicht aussucht.

Und gerade deswegen, weil die Verbindung zu dir so außergewöhnlich ist, konnte ich kein Etikett finden, das nach der Trennung zu uns passt. Keine Kategorie, die beschreibt, wer du für mich bist und was ich dir noch bedeute. Wie soll man eine große Liebe auch nach deren Ende einordnen, wenn die Gefühle in der Form, wie sie es einmal waren, nicht mehr da sind. Aber dennoch bleibst du ein Teil von mir und wirst das auch immer sein. Ich hatte Angst dich zu vergessen. Dich und die außergewöhnliche Erfahrung, wie intensiv ein einzelner Mensch empfinden kann. Und es wurde seltener, dass ein Geruch mich an dich erinnert hat. Deine Augen sind mir immer klar im Gedächtnis geblieben. Genau wie deine Hände. Deine Oberlippe könnte ich nachzeichnen und dein Haaransatz. Und auch wenn einige der Höhen und Tiefen verblasst sind mit der Zeit, bleibt die Erinnerung an deinen Blick. Wie du mich immer und immer wieder angesehen hast. In den verschiedensten Momenten. Es wird immer dieser intensive Blick sein, der mein Maßstab ist, für aufrichtig empfundene Zuneigung und Nähe und Leidenschaft.

Ich frage mich, ob es gefährlich ist an dich zu denken, dich hin und wieder zu vermissen und dadurch in gewisser Weise an dir festzuhalten. Die letzten Jahre hätte ich dich gern ein zweites Mal kennengelernt. Langsamer. Bedächtiger. Die Frage, wie es wäre dich zu küssen hat, mich beschäftigt. Wäre es wie einen Fremden zu küssen oder wären das einfach nur wieder du und ich, vertraut wie immer?

Und trotz all der offenen Fragen, ist es jetzt so gekommen, wie es vielleicht immer hätte sein sollen. Wir sind Freunde. Verbündete, wenn das Chaos des Alltags zu groß wird und man einen vertrauten Anker braucht. Unsere gemeinsamen Erinnerungen laufen nicht ins Leere. Da ist jemand, der das Ende der Geschichte kennt, die mit „Weißt du noch als…“ anfängt. Und darüber bin ich froh.

 

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