Retter auf edlem Ross #Märchen

Wie lang ist es her, dass ich jemandes Schatz war? – So richtig mit allem drum und dran. Ich frage mich was ein Uns ausmachen würde. Ich suche Antworten in Büchern, Filmen, Serien und Songtexten. Eigentlich überall. Pärchen, die händchenhaltend die Straße entlang laufen, schaue ich hinterher. Ich frage mich, was ihr Geheimnis ist.

Kann man innerhalb so kurzer Zeit so aus der Übung sein, dass ich nach zwei Jahren als Single keine Ahnung habe, wie es ist verliebt zu sein? Und auf wen sollte ich mich näher einlassen und auf wen besser nicht? Bei wem ich Geduld beweisen sollte und wen ich besser zum Teufel jage? Und überhaupt, bin ich dem Richtigen einfach nie über den Weg gelaufen? Oder bin ich es, die kalt ist? Die nicht genug fühlt. Die zu viel denkt. Diejenige, der Listen im Kopf durchrattern. Vorstellungen, wie mein Leben laufen sollte, mit welchem Partner und wie die gemeinsame Zukunft auszusehen hat. Wie man die gemeinsame Zeit verbringen könnte. Welche Unterschiede und Streitpunkte okay sind und welche nicht.

Mein größter Wunsch war es immer, jemanden an meiner Seite zu haben. Nicht allein zu sein. Einen Partner, der mich liebt für das, was ich bin. Der immer da ist, den ich jung kennenlerne und mit dem ich eine gemeinsame Geschichte schreibe. Mit dem ich mich irgendwann an den Anfang erinnern werde. Mit Anfang zwanzig habe ich das mit der ersten großen Liebe und dem ganz jungen Kennenlernen jetzt schon versaut. Und wie soll mich ein Partner für meine Persönlichkeit lieben, wenn ich selbst nicht weiß, wer ich bin.

Diese Sehnsucht nach Nähe und Geborgenheit und diesem einen Partner hat mich ängstlich gemacht. Wie lang habe ich wohl meiner ersten großen Liebe hinterher getrauert und ihm immer wieder eine Chance gegeben, egal wie wenig er sich dessen würdig erwiesen hat, einfach weil er der Eine hätte sein sollen. In wie vielen Kerlen wollte ich ausschließlich das Gute sehen, nur um den Richtigen nicht zu verpassen. Wie oft habe ich verziehen, nur weil nun mal schon Nähe da war und gemeinsame Erinnerungen und Er ja der Richtige hätte sein können oder zumindest werden.

Nachdem mein Männergeschmack in der Luft zerrissen wurde, nicht zuletzt von mir selbst, bin ich das Ganze anders angegangen. Mit System vielleicht. Auch wenn das System weder konsequent, noch unbedingt logisch war. Aber ich habe es versucht. Es waren nette Kerle, ganz definitiv nette Kerle.

Kerle, die meine Liste im Kopf oft zumindest in vielen Punkten erfüllt haben. Die üblichen Punkte eben, die man sich so vorstellt. Witzig sollte er sein, groß wenn’s nach mir geht, guter Musikgeschmack, gern kochen, vernünftiger Job, und so weiter. Aber ehrlich gesagt, ich kann erstmal keinen Smalltalk mehr führen. Ich hab keine Lust mehr mich wie ein hübsches Accessoire zu fühlen. Denn so wie meine Dates für mich meine potenzielle Traummannliste auf zwei Beinen waren, war ich für sie die süße kleine Blondine, die man auch Zuhause vorstellen kann. Die ihr Studium durchzieht, sich nett zurecht machen kann und hin und wieder trotzdem über einen dreckigen Witz lacht.

Aber ist das das Rezept für viele glückliche Jahre? Nach der größten Übereinstimmung zu suchen und dann zu hoffen, dass sich der Rest findet. Mein romantisches Herz wollte nicht mehr. Also als Erstes tinder gelöscht. Und bei allen lauwarmen Dates ein Cut.

Oh und nicht zu vergessen die Ex-Traummänner. Die bei denen man gehofft hat, dass wenn beide etwas älter sind und ein bisschen Zeit vergangen ist und überhaupt, dann wird das noch was. Die Familie kennt er schon mal, den Freunden ist er kein Fremder mehr, er weiß wie ich meinen Kaffee am liebsten trinkt und was am besten nach einem langen Tag hilft. Alles irgendwie eingespielt, aber auch nur noch lauwarm, ein Sicherheitsanker, ein Notfallplan. Also auch hier ein Cut, Schluss damit. Das führt so zu nichts mehr, es kann ja wohl nicht sein, dass ich keine fünf Minuten überlebe in der Vorstellung, erstmal ohne Partner zu sein und zu bleiben.

 

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