Magic?

Oder: Das Besondere umgeben von hässlichen Wänden #Markus

Wir sitzen hier zwischen echt hässlichen gelben Wänden. Zu starken Kaffee vor uns. Und wieder nicht allein. Eigentlich ist der Moment zu kurz. Viel zu kurz. Ich schaue auf die Uhr. Noch fünf Minuten, dann ist unsere gestohlene Auszeit auch schon vorbei. Solche kurzen Momente, in denen ich dich für mich habe – oder zumindest fast für mich habe –  retten mir den Abend.

Auf dem Heimweg frage ich mich, warum gerade du. Und was die Zeit mit dir ausmacht. Unkompliziertheit kann es schon mal nicht sein. Ich frage mich, wodurch Anziehung entsteht und was sie beständig macht. Eins meiner liebsten Zitate besagt, dass zwei Menschen, die beieinander bleiben wollen, einander etwas geben können, das sie bei keinem anderen finden. Ich glaube an etwas ähnliches. Dass es möglich ist, dass etwas da ist, das man so nicht in Worte fassen kann, geschweige denn greifbar machen könnte. Eine Verbindung. Ein Gefühl. Anziehung eben. Der andere zieht einen in seinen Bann.

Anziehung – wie bei zwei Magneten. Du ziehst mich an. Immer stärker mit der Zeit. Und ich ziehe dich aus, um dir noch näher kommen zu können.

Aber warum gerade du? Wenn ich mir so anschaue, was für Männer ich mir bisher ausgesucht habe, traue ich meinem eigenen Urteil nicht mehr. Es war interessant und im besten Fall lehrreich. Aber eine gute Menschenkenntnis, geschweige denn einen ausgezeichneten Männergeschmack, würde ich mir nicht gerade zuschreiben.

Warum sollte ich dann bei dir besser liegen? Die Frage verfolgt mich ein bisschen. Wenn ich wach im Bett liege, komme ich mir manchmal vor, als würde ich mich selbst überzeugen wollen, warum das mit dir eine gute Idee ist.

Als ob ich noch eine Wahl hätte. Als ob ich anders könnte, sobald du da bist. Als ob ich es durchhalten würde, dir aus dem Weg zu gehen, selbst wenn ich mich dafür entscheiden würde. Als ob die Erkenntnis, dass du mal wieder ein Frosch, statt meinem Prinzen bist, etwas daran ändern würde, dass mein Herz rast, wenn wir uns sehen. Dass ich kurz über meine eigene Unsicherheit stolpere und nervös werde, und das obwohl wir uns bald ein Jahr kennen. Als ob ich mich an einen meiner Zweifel erinnern würde, wenn du dann tatsächlich da bist und wir einfach nur daliegen oder bis spät nachts quatschen. Als ob dann irgendetwas von den Überlegungen noch zählen würde.

Zurück zur Anziehung. Inzwischen hab ich da so einen Verdacht, was mir die Männer der letzten Jahre, die meinen Weg gekreuzt haben, beibringen sollten. Denn eins hatten sie gemeinsam. Sie waren absolut anders als ich. Auch untereinander ziemlich unterschiedlich, aber hauptsächlich ziemlich gegensätzlich zu mir. Und jedes Mal habe ich mich darauf eingelassen. Mich an etwas angepasst, das mir meistens nicht entsprochen hat. Ich habe Halbwissen auf den unterschiedlichsten Gebieten. Durch Dates. Weil ich ein Teil von den unterschiedlichsten Welten geworden bin. Weil ich mich anpassen kann. Zumindest eine Zeit lang. Und dann, sobald mehr daraus wurde, wollte ich Gleichklang. Harmonie. Und der Streit fing an. Wenn mir jemand wichtig wird, lasse ich nicht nur diesen Menschen an mich heran. Sondern nehme ihn geradezu mit allen Problemen und Schwierigkeiten und Sorgen in mich auf. Und mache all diese Schattenseiten zu meinen eigenen Problemen. Das kann nicht gut gehen. Jeder löst seine Probleme auf seine eigene Art. Man kann keine fremden Probleme lösen. Sondern nur die eigenen und auch die erst, wenn man so weit ist, dass man die Lösung erkennt. Und dann kann man sich selbst helfen. Dabei kann ich kaum zusehen bei Menschen, die mir wichtig sind.

Und jetzt fühle ich mich zu dir hingezogen, der sein Leben so anders lebt als ich es machen würde. Der nichts davon erfüllt, wie ich mir jemanden vorgestellt habe, der zu mir passen könnte. Ich dachte irgendwann treffe ich quasi die Essenz meiner Dates. Dass man irgendwann weiß was passt und was nicht und dann jemanden trifft und weiß, das wird harmonieren.

Bei uns habe ich das Gefühl, dass sich das Schicksal köstlich amüsiert.

Und gerade zu dir fühle ich mich also hingezogen. Soll ich jetzt weglaufen, weil du nur die Reihe von Kerlen ergänzt, die so anders sind als ich? Oder muss ich nur endlich mal dazulernen? Vielleicht lerne ich meine Lektion bei dir. Du scheinst mich einfach so anzunehmen wie ich bin. Und dir scheint das auch noch zu gefallen, obwohl mein Verhalten zum Teil absolut gegenläufig zu deinem ist. Vielleicht weiß es die Anziehung ja besser als ich. Vielleicht muss ich nur lernen das anzunehmen, was mir das Schicksal vorsetzt und das Gefühl in den Vordergrund stellen.

Weil wenn ich mich nur auf das Gefühl konzentriere, das du in mir auslöst, bin ich mir sicher, dass das alles nicht so verkehrt sein kann.

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