Frauenlogik – gelegentlich fragwürdig.

Aufgewühlt und durcheinander beschreibt es wohl am besten. Angst vor einer Antwort und gleichzeitig unglaublich neugierig. Wir sind mitten in einer absolut schrägen Unterhaltung, die mehr von Metaphern als klaren Aussagen lebt. Du sagst, du verstehst nicht worauf ich hinaus will und ich gebe mein bestes dich gar nicht erst erkennen zu lassen, worum es im Kern geht.

Das ist der aktuelle Stand und wenn man ihn niederschreibt, fällt sogar mir auf, dass es nicht ganz einfach ist die Logik dahinter einem vernünftig denkenden Menschen zu erklären.

Darauf erstmal einen großen Schluck Wein. Wie gut, dass du noch eine Flasche Rosé da hattest. Ich stehe mit dem Rücken zu dir und schaue von deinem Balkon aus in die Nacht, leider ohne Sterne zu sehen, auch wenn der Himmel klar ist. Eben eine Stadtwohnung, es ist einfach zu hell für Sterne. Währenddessen erzähle ich dir von Bridget Jones und dass Männer vom Mars sind und Frauen von der Venus. Außerdem davon, was in meiner Welt einhellige (weibliche) Meinung darüber ist, wie man sich zu verhalten hat. Dass auf Nähe Abstand folgen muss. Dass du dich im Großen und Ganzen zuerst melden solltest. Dass ich dir nicht zeige, wie gern ich dich habe, damit du nicht in die Verlegenheit kommst, etwas zu erwidern, das du eventuell nicht so empfindest. Dass ich mich darum bemühe, immer noch einen Tick lockerer und unkomplizierter zu sein als du. Dass ich längst auf Distanz bin, wenn die Gefahr besteht, dass du dich entfernst. Dass ich dir grundsätzlich zeige, wie viel leichter es mir fallen würde zu gehen.

Und jetzt wird es kompliziert und verwirrend. Normalerweise funktioniert das. Normalerweise gehe ich auf Abstand und es fällt mir dann tatsächlich leicht. Normalerweise erwecke ich den Eindruck immer gehen zu können und ist eine Gelegenheit da, fällt es mir vielleicht noch nicht im ersten Moment leicht, aber mit jedem Schritt, den ich mich entferne, bin ich schlussendlich froh gegangen zu sein. Weil es eben doch nicht das Wahre war. Weil ich sobald ich Luft zum Atmen habe, frei bin und den Ausnahmezustand genieße, der einer Trennung folgt. Ob im positiven oder negativen Sinne eine Trennung ist ein Ausnahmezustand. Zumindest bei mir. Da gelten andere Regeln als für den Alltag. Man überprüft eigene Maßstäbe, stellt das tägliche Leben auf die Probe und entdeckt vielleicht neue Seiten an sich selbst und den Menschen, die einem nahe stehen. Auch wenn genießen vielleicht das falsche Wort ist, diesen Ausnahmezustand mag ich zumindest gelegentlich. Aber bei dir hab ich nicht das Bedürfnis. An deiner Seite und mit dir in meinem Leben fühle ich mich nicht eingeengt. Ich kann auch so den verrückten Ideen folgen, die ich zuverlässig habe, sobald ich mal ausgeschlafen bin. Du nimmst mir keine Freiheit, sondern gibst mir Ruhe. Und das ist was Neues.

Und wenn ich nicht gehen will, heißt das, wenn du gehst, kannst du mir einfach so wirklich weh tun. Mir ist schon klar, dass das die grundsätzliche Gefahr ist, wenn man sich auf jemanden einlässt. Dass darüber Bücher, Filme und Songs geschrieben wurden. Und das nicht zu knapp. Aber es fühlt sich an als hätte ich bisher nicht so ganz verstanden worum es geht. Das große Ganze hatte ich im Blick, aber eine Variable hat bisher gefehlt. Und diese neue Variable bringt mein ganzes System durcheinander.

Mit tollen Freitagabend-Dates, die aber nie den Sonntag erlebt haben und bloß nicht allzu festen Beziehungen und Ich-lieb-dich-wenn-ich-betrunken-bin-aber-nicht-nüchtern-Geschichten habe ich Erfahrungen. Darüber könnte ich mich stundenlang unterhalten. Für die verrücktesten Anwandlungen habe ich Verständnis. Die skurrilsten Diskussionen sind mir nicht fremd. Mit all dem kann ich umgehen. Aber dass es auch so einfach sein kann, dass es einfach funktionieren könnte, erscheint mir verrückt. Du würdest spätestens hier einhaken mit dem Argument, dass es ja überhaupt nicht einfach ist. Klar es gibt immer äußere Einflüsse, die mitmischen, aber das würde kaum für den Vorspann eines Films reichen. Geschweige denn für ein ganzes Beziehungsdrama. Und daran muss sich absolut nichts ändern.

Und genau diese Erkenntnis, wie gut mir das alles gefällt, wie es jetzt gerade ist, macht mich verwundbar. Und vor allem lässt sie mich zögern. Jetzt könnte mein typischer Fluchtinstinkt einsetzen. Ich könnte dir ausweichen. Setzt es dich nicht unter Druck, wenn du weißt, dass ich dich wirklich mag? Wie oft habe ich mich in der Vergangenheit eingeengt gefühlt und würde das nicht bei dir das Gleiche auslösen? Du bist wie ein guter Freund, es macht Spaß mit dir unterwegs zu sein, ich habe dich gern um mich und mag vor allem deinen Humor. Die Anfangsphase soll die schönste sein, heißt es ja immer. Und gerade die Gelassenheit und all das ist toll. Mit dir im Bett zu frühstücken und bei Ikea Betten zu testen ist wie Urlaub vom normalen Leben. Ist es überhaupt möglich, dass das so bleibt? Oder gehen wir uns irgendwann nur auf die Nerven oder langweilen uns miteinander, wenn ich mich einen Schritt vorwage und der flapsige Tonfall weg fällt? Oder stimmt das Klischee vom Jagdinstinkt und ich muss für immer das Häschen, vor deiner Linse sein? Ist die Eroberungsphase zwingend nur eine Phase? Oder kann das auch jeden Tag aufs Neue beginnen? Heute mag ich dich und für morgen sieht es gut aus, aber übermorgen lasse ich mich überraschen. – Das Konzept gefällt mir. Eine Garantie hat man nie. Und der Ansporn zwei Individuen zu bleiben, die hauptsächlich dadurch verbunden sind, dass sie von einander angezogen werden, gefällt mir. Und keine Bindung, die zu großen Teilen darauf beruht, dass man sich aneinander gewöhnt hat oder schlimmer noch nicht allein sein möchte.

Und so stehe ich hier immernoch vor dir mit meinem Glas in der Hand und meine Gedanken wirbeln wild durcheinander. Du versuchst wirklich zu verstehen, was in mir vorgeht. Versuchst mich zu dir umzudrehen, aber wenn ich dich ansehe, kann ich noch weniger reden. Ich möchte unbedingt wissen was dir eigentlich durch den Kopf geht, ob nur ich so durch den Wind bin. Wie ernst du meinst, was du im Scherz sagst. Und gleichzeitig möchte ich nichts kaputt reden. Die Unbeschwertheit einfach genießen. Leichtigkeit. Unkompliziert sein. Aber unkompliziert bin ich nunmal nichtimmer . Und eigentlich möchte es auch gar nicht erst sein. Das Leben ist viel zu facettenreich und chaotisch, um nicht hin und wieder ein paar verrückte Momente zu haben. Also drehe ich mich doch zu dir um und fange an mich dir zu erklären und ganz vielleicht überrascht mich deine Reaktion ja sogar.

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