Lass uns gemeinsam Single sein.

Manchmal brauche ich den Abstand zu dir mehr als die Nähe. Um mir die Freiheit nehmen zu können dich zu vermissen. Um mir selbst zu bestätigen, dass ich dich nicht in meinem Leben brauche – auch allein komme ich immer wieder gut zurecht – aber dich unbedingt an meiner Seite möchte.

Noch immer verschreckt mich das Wort „vergeben“ oder „gebunden“, als würde ich damit etwas aufgeben, anstatt etwas dazuzugewinnen. Und eigentlich sollte es doch eine Bereicherung sein, anstatt ein Ausschluss. Man integriert einen Menschen an prominenter Stelle in seinem Leben, weil man das möchte. Und nicht weil man zu Verzicht gezwungen ist.

Und hat man in einer Beziehung plötzlich Rechte am anderen? Zum Beispiel das Recht dazu am anderen herumzunörgeln? Sich grundsätzlich zu beschweren? Zu versuchen den anderen zu verbiegen? Am anderen seine schlechte Laune auszulassen? Treffen kurzfristig abzusagen, weil es ja nur der Partner ist? Zu spät zu kommen ohne Entschuldigung, weil der andere einen ja schon als unpünktlich kennt? Allem anderen eine höhere Priorität zu geben, weil der Freund ja schon aufgrund der Stellenbeschreibung „verständnisvoll“ zu sein hat?

Ich weiß nicht, ob ich eine Beziehung möchte. Und das nicht, weil ich dich nicht genug mag. Sondern vielmehr weil ich dich wirklich mag. Weil ich mich schon in Beziehungen erlebt habe. Weil ich keine Lust habe mal wieder zur Nörgelziege zu mutieren. Weil es Sätze gibt, die ich nicht mehr hören will.

„Du kennst mich doch.“ – „Die Eroberungsphase ist eben vorbei.“ – „In einer längeren Beziehung ist das halt so.“

Klar, kennt man den anderen und natürlich unterscheidet sich eine länger Beziehung von der flirty Anfangsphase, aber warum kann man den anderen nicht mehr damit überraschen, sich anders als erwartet zu verhalten? Warum kann man nicht versuchen – statt nur den Status quo zu halten – den anderen hin und wieder ein bisschen aufs Neue zu erobern?

Und mein persönliches Highlight. Ein Streit, bei dem jeder Satz auf ein „…, Schatz“ endet. Verdammt nochmal, ich will schreien und sauer sein, wenn mir danach ist und nicht an meine Sätze ein „Schatz“ hängen, wenn du in dem Moment eben nicht mein Schatz bist, sondern der Kerl, der mich gerade zur Weißglut treibt. Mir wird ganz anders, wenn ich mich erinnere wie tief ich selbst schon in Klischee-Streit-Diskussionen gesteckt bin.

Bin ich zu romantisch? Zu naiv? Zu schwierig?

Weil ich mir alles wünsche. Sicherheit genauso wie das Risiko. Gemütliche Serienabende genauso wie durchquatschte Nächte mit einer Flasche Wein. Morgens kuscheln im Bett genauso wie aufregenden Sex.

Weil ich immer voller Sehnsüchte bin. Voller Sehnsucht nach Nähe, gleichzeitig mit Sehnsucht nach Freiheit. Voll von Sehnsucht nach Vertrautheit, genauso wie der Sehnsucht nach Überraschendem. Momentan treibt mich die Sehnsucht nach dir um. Die Sehnsucht all die verschiedenen Facetten von und mit dir kennenzulernen. Weil du mir das Gefühl gibst, dich genau so zu wollen wie du bist. Mit allem drumherum. So wie du bist.

„So wie du bist“ – Entschuldige das Bridget Jones Zitat. Aber vielleicht bist du ja mein persönlicher Mark Darcy und das ist durchaus eine Ehre.

Kennst du die Schuhwerbung, bei der die Frau am Ende sagt: „Die behalt‘ ich gleich an!“. So fühlt es sich mit dir an. Als wäre etwas eingerastet. Es passt einfach. So abstrakt kann ich nicht genau sagen, warum es passt, aber bei Kleinigkeiten wird es mir klar. Weil du keine Oliven magst und ich deswegen deine essen darf. Weil wir einen gemeinsamen Lieblingswein haben. Weil wir uns einig sind, welche Burger von McDonald’s auch kalt am besten schmecken. Weil ich dir nicht böse sein kann, wenn du mir hinterherläufst bis ich mich selber albern finde. Weil du zwar lange brauchst bis du Worte findest, dann aber mein Herz berührst. Weil du mit mir zählst, wie viele Uhren in einem Raum sind. Weil mein Kopf perfekt in deine Halsbeuge passt und wir beim Gehen denselben Rhythmus haben.

Ist es der unausweichliche Weg, dass das mit dir, das sich im Moment für mich wie etwas so Großes anfühlt, irgendwann in einer Sackgasse enden wird? Werde ich irgendwann die nörgelnde Alte sein und du der faule Sack?

Bitte nicht. Bitte lass uns gemeinsam Single sein. Zumindest manchmal. Damit wir uns erinnern, warum das mit uns angefangen hat. Lass uns unbekannte Seiten aneinander entdecken und ehrlich sein. Zärtlich und aufmerksam. Aber auch direkt und offen. Und lass nicht irgendwann „Kratz mir mal den Rücken, Schatz.“ das liebevollste sein, das du so über den Tag zu mir gesagt hast.

 

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5 Antworten auf “Lass uns gemeinsam Single sein.”

  1. Soooooooo ein schöner Text! Und das nur am Rande: träumen wir nicht irgendwie alle insgeheim von unserem ganz persönlichen Mr. Darcy😍😍🤗
    und auch das mit dem „Schatz“, für mich hat dieses Wort keine Bedeutung, weil sich in einem Raum mit Pärchen wahrscheinlich jeder umdrehen würde, würde man Schatz hineinrufen 😄 grauenvoll😄
    Aber dein Text ist, wie bereits gesagt, ausgesprochen wundervoll! Liebste Grüße ☺

    Gefällt 1 Person

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