Der Teufel steckt im Detail – Bekenntnisse einer Beziehungsfanatikerin

Es ist doch alles gut. Das sagst du mir. Für dich ist die Welt in Ordnung. Warum kann sie das für mich scheinbar nie sein?

Kaum haben wir uns versöhnt, fällt mir der nächste Punkt ein über den ich stundenlang mit dir diskutieren könnte. Eine Kleinigkeit, die mir in dem Moment trotzdem weltbewegend vorkommen mag. Ich frage mich, ob du eine Chance hast.

Wie findet man eine Balance dazwischen den anderen zu akzeptieren wie er ist und gleichzeitig fordernd zu sein?

Ich habe heute den Begriff „Wahrheitsfanatikerin“ in einem Roman gelesen. Bin ich auch ein bisschen fanatisch? Fanatisch was die Feinheiten in einer Beziehung angeht vielleicht.

Und dabei komme ich mir vor, als würde ich mich bei meinem Gedankenkarussell, das mich immer wieder verfolgt nur um mich drehen. Aber was ist mit dir? Enge ich dich ein? Diskutiere ich dich müde? Wie lang wirst du das mitmachen, dich stundenlang mit mir über Kleinigkeiten zu unterhalten? Wie sieht es damit aus, wenn die rosarote Brille verblasst und ich ein Teil deines Alltags geworden bin?

So wie du mich manchmal ansiehst oder wenn du schon einen bestimmten Tonfall anschlägst, dann ist es als würde ich dich mit überzogenen Erwartungen überrollen, als würdest du gar nicht erst den Sinn der Unterhaltung sehen. Auch wenn du nicht mit den Augen rollst, dein Blick sagt dasselbe aus.

Aber wir können es auch lassen. Das mit dem diskutieren. Geh‘ doch! Geh saufen, Fußball gucken, gröhlen, schalt‘ dein Handy aus, vernichte zwei Schachteln Camel an einem Abend. Mir egal, fühl dich frei! Lass alles in deinem Leben wie es ist. Verzichte auf keine einzige Zigarette für mich. Lehn‘ kein Bier ab wegen mir. Veränder nichts an deiner Wohnung oder gar an dir. Sei so frei wie du es vor mir warst. Genau so habe ich mich Hals über Kopf in dich verliebt. Und zu dir, so wie ich dich kenne, komme ich immer wieder egal wie sehr wir aneinander vorbei geredet haben.

Fühlst du dich frei mit mir? Willst du wirklich mich, obwohl du dir mich anders vorgestellt hast? Bist du glücklich, obwohl du vieles ohne mich ganz anders machen würdest? Gibt es eine Möglichkeit uns in der Mitte zu treffen?

Warum müssen wir auf so unterschiedliche Art funktionieren? Vergangene Begegnungen erscheinen mir so viel einfacher und unkomplizierter. Als hätte sich alles eben irgendwie entwickelt, ohne dass ich viel nachgedacht hätte. Aber so war es dann auch mit dem entsprechenden Mann: „eben irgendwie“. Es war manchmal gut und manchmal schlecht. In der Anfangsphase meist intensiv. Aber irgendwann abgestumpft, verblasst, grau. Es war nicht richtig schlecht, es war durchaus gut, aber nicht weltbewegend und das ist okay.

Und trotzdem habe ich mir im Nachhinein – wenn alles gesagt war und die Gefühle längst gegangen sind – dann habe ich es manchmal bereut, den Moment nicht mehr genossen zu haben. Sondern über die Zukunft nachgedacht zu haben. Über Sachen geredet zu haben, die nie relevant wurden. Eben weil es dann nie eine Zukunft miteinander gab. Vielleicht würde verdrängen gelegentlich helfen. Einfach mal tief durchatmen und kurz wegschauen. Aber was ist, wenn man zu lang wegschaut und Einen dann der Schlag trifft, wenn man sich sein Gegenüber wieder genauer ansieht? Weil man alles ganz anders in Erinnerung hatte und sich fragt, wie man nochmal genau in diese Beziehungskiste geraten konnte.

Aber ist es nun vermessen, dass mir das nicht reicht? Mir erscheint das Leben zu kurz. Muss ich also alle paar Wochen durchdrehen, um für mich selbst für genug Drama zu sorgen? Brauche ich das Drama, oder ist da was dahinter, wonach ich mich sehne? Macht man das in einer längeren Beziehung überhaupt, sich immer wieder einander zu erklären? Den anderen entdecken, wie in der ersten Verliebtheit? Oder hört man damit auf und lebt nebeneinander? Werden wir in fünf Jahren oder gar fünfzehn uns noch nachts um drei im Dunkeln unterhalten, über Gefühle, Sehnsüchte, Wünsche und Ängste?

Und ja der längst überfällige Einwand, der an dieser Stelle sicher von dir kommen würde: Ich denke zu viel. Aber ja verdammt nochmal, ich denke immer zu viel, wenn mir etwas wichtig ist. In meinem Kopf laufen mindestens zehn Gedankenstränge grundsätzlich gleichzeitig. Mich stresst das nicht. Es sorgt für Ordnung, weil ich so zu Entscheidungen komme. Und sobald ich mich in einem Punkt entschieden habe, sorgt das bei mir für Ruhe in meinem Kopf und Herzen.

Und was ist der Kern von all den Fragen? Von all den Fragen, auf die sich die Antworten erst irgendwann in der Zukunft zeigen werden. Es bleibt nur die eine Frage, die mich gerade am meisten beschäftigt: Sag mir nur, bist du glücklich?

 

… zumindest für mich habe ich wenigstens zum Teil eine Antwort gefunden. Eine Antwort auf die Welle an rhetorischen Fragen.

Ja, wir müssen über all das immer wieder reden. Wobei „müssen“ das falsche Wort ist, „dürfen“ oder „können“ gefällt mir besser. Nähe und ein harmonischer, schöner Alltag kommen nicht von allein. Eine Beziehung verliert von allein einen Teil ihres Reizes oder viel mehr ihrer Spannung. Wenn man sich besser kennt und die geteilten ersten Male nicht mehr Schlag auf Schlag kommen, sondern selten werden. Es muss nicht einmal übermäßige Unachtsamkeit dazukommen oder eine besonders rauer Umgang miteinander, das Miteinander schleift sich einfach ein. Aber dass Spannung verloren geht, heißt auch, dass Anspannung abfällt. Man fühlt sich angekommener. Und der Fokus, der in der Anfangsphase so sehr auf den anderen gerichtet ist, muss sich ganz automatisch auch wieder anderem zuwenden. Ewig hält das keiner durch, diese Aufregung der Anfangszeit. Gelegentlich muss man ja doch arbeiten und schlafen. 

Für mich bleibt es trotzdem eine Frage der Prioritäten wie gut eine Beziehung läuft. Was ist es, das man in seinem Leben einen hohen oder gar den höchsten Stellenwert geben will. Für mich ist es wichtig einen Sinn zu sehen. Und diesen Sinn sehe ich häufig in zwischenmenschlichen Beziehungen und Begegnungen. Man steht permanent in Kontakt mit Menschen und ich mag Menschen. Auch wenn mir Tiere gelegentlich lieber sind, ist es doch verblüffend, wie viele Facetten es gibt, wie viele Meinungen, Weltsichten, Gefühle, Lebensmodelle und Ziele vertreten werden. Es ist faszinierend, wie sich zu manchen Menschen eine starke Verbindung aufbaut und wie man zu ehemals Fremden Vertrauen und Zuneigung aufbauen kann. Und deswegen finde ich man sollte sich bemühen um die Menschen, die einem nahe stehen. 

Ich bin bereit Energie, Liebe, Freude, Überschwang, Tränen, lautes Lachen, Wutanfälle, eine unfassbare Anzahl an Worten, ebenso wie geteilte stille Momente, Nähe und einen Platz in meinem Herzen zu investieren. Bist du das auch?

 

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