Sehnsucht

Die Sehnsucht erinnerungswürdige Tage und Nächte zu verbringen. Fremde Städte bei Nacht und im frühen Morgenlicht sehen. Was zieht es mich nach Paris, der Stadt die so viele Versprechen birgt. Oder nach Rom, das zum Träumen anregt.

Die Sehnsucht mich fallen zu lassen. Nicht auf die Uhr zu schauen. Nie endende Tage zu erleben, die auch noch in der Erinnerung unendlich sind.

Sehnsucht danach so mutig zu sein, wie ich es gern wäre. Danach ein außergewöhnliches Leben zu leben.

Dieses unbändige freie wilde Gefühl, das mich gelegentlich überkommt. Das mich so aufgekratzt und hungrig zurücklässt. Unbändige Sehnsucht. Rebellion gegen alles Vertraute, um dann voller Zuneigung und Zufriedenheit zurückkommen zu können. Offen für neue Herzensgelüste.

Gelüste überkommen den Körper und die Seele plötzlich. Unerwartet. Aber nicht minder intensiv. Mit Gelüsten ist Sinnlichkeit und oft auch Körperlichkeit verbunden. Ausbrechen aus den Etappen, die man sich mit Zielen und Disziplin schafft. Ziele sind wichtig und man sollte dauerhaft angelegte Wünsche verfolgen und dranbleiben. Nicht aus den Augen verlieren, worum es sich lohnt sich zu bemühen. Geradlinig, zielstrebig, ehrgeizig, diszipliniert, pflichtbewusst. Das alles ist gut. Alles ist erstrebenswert und alles ist sicher hilfreich beim großen Ganzen.

Aber wo kommt das Herz ins Spiel? Wann darf das Feuer auflodern? Woran will man sich später einmal erinnern? Und sind es nicht die kleinen Dinge, die oft unbändigere Freude auslösen als die großen von langer Hand geplanten Etappensiege?

Diese kleinen und in den Folgen gelegentlich dann doch großen Herzensgelüste sind es, die mich heute Nacht beschäftigen.

Was ist es woran ich mich einmal erinnern möchte? Und was würde sich an meinem Leben ändern, wenn es in zwei Wochen vorbei wäre? Oder zwei Monaten? Oder zwei Jahren?

Wann werde ich die Liste mit Kleinigkeiten in meinem Kopf angehen, die ich immer wieder ins hinterste Eck meines Bewusstseins schiebe? Mir geht es nicht um die großen Träume, die es gilt in Angriff zu nehmen. Die allerdings oft Jahre Zeit brauchen, die sich entwickeln und bei denen das Schicksal die Hand im Spiel haben muss, damit alles zum richtigen Zeitpunkt ins Rollen kommt. Vielmehr meine ich etwas, das mit Toastkrümeln im Bett vergleichbar ist. Bewegt man sich, spürt man, dass es am Rücken piekst oder am Bein. Wenn man Glück hat, lässt das nach, sobald man sich ein bisschen hin und her bewegt oder umdreht. Und vielleicht spürt man denselben Krümel in der Nacht nochmal oder in der darauffolgenden. Immer gerade dann, wenn man es sich gemütlich gemacht hat und am Wegdösen ist. Wirklich verschwinden tut er erst, wenn man dann irgendwann genervt aufsteht den Krümel sucht, findet und in hohem Bogen aus dem Bett wirft. Und diese Zufriedenheit, wenn man zurück unter Decke ist. Dieses Mal krümelfrei. Was mich so im Alltag ankrümelt sind allesamt kleine Dinge.

Wie spontan ans Meer fahren und frühmorgens den ersten Kaffee am Strand trinken. Oder einmal rote Lippen mit Stolz zu tragen. Einen anderen überraschen. Am eigenen Körper spüren, dass bei mir Höhenangst Kopfsache ist. Oder einfach nur Arancini selbst machen.

Und ich werde den Verdacht nicht los, dass mich all die Kleinigkeiten pieksen werden bis ich meinen Herzensgelüsten nachgebe.

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